Der Sündenfall, ein folgenschwerer Unfall?

>Wir sagen euch klar dieses: Ihr seid in den Morast gefallen und ihr seid  mit einer Tierhaut bekleidet worden!<

Die Wiedergefundene Botschaft

 

 

>Und Gott schuf den Menschen nach seinem Bilde und seiner Ähnlichkeit…<

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Die Frage nach unserer menschlichen Befindlichkeit auf dieser Erde stellt sich wahrscheinlich früher oder später jeder von uns; vor allem im Zusammenhang mit Krankheit, Leid, Ungerechtigkeit, Kriegen, Katastrophen jeder Art und Tod. – Warum befinden sich Mensch und Erde in diesem Zustand?

Hat Gott den Menschen und die Erde so erschaffen wie wir sie kennen und erleben, so vergänglich, so verderblich, so anfällig, kurz: so unvollkommen? Wo könnte man Antworten auf diese Fragen erhalten?

Gemäß etymologischer Wortanalyse soll es sich bei dem Wort Sünde – auf Latein peccatum woraus man pes catenatus (angekettete Füße) herleitet, um ein physisches Problem handeln. Daraus könnte man folgern, dass der Sündenfall die Tatsache ist, in einer Materie gelandet zu sein, für die wir anfangs nicht bestimmt waren; demnach werden wir wohl hier auf der Erde in einer Beschaffenheit geboren, die nicht der ursprünglichen entspricht.

In der jüdischen Tradition wird diese Sachlage  mit dem Terminus Exil beschrieben, also so,  als befände sich der Mensch nicht mehr in seinem Heimatland.

Wenn es sich also um ein physisches Problem handelt, ist es kaum angebracht daraus ein Problem der Moral zu machen, ein Problem, welches man durch moralisches Verhalten lösen könnte. Es wird wohl ein wahrhaft physisches Heilmittel benötigt, wie es symbolisiert wird in der Kommunion der Christen.

Auch der deutsche Mystiker Karl von Eckartshausen (1752-1803) schreibt in seinem Büchlein >Die Wolke über dem Heiligtum<  (ISBN 90 6732 0862) dass der Mensch nach dem Sündenfall vom Geistmenschen zum Naturmenschen  – zum Tiermenschen  – wurde und dass der göttliche Anteil (das Ebenbild) sich in sein Innerstes zurückzog und dort seither lethargisch, wie eine Mumie, auf Wiederbelebung wartet.

 

Herr Hans van Kasteel, ein Philologe klassizistischer Bildung, leidenschaftlich interessiert an Geschichte, an den Künsten und an der Literatur der Antike veröffentlichte bei arca librairie.com ein Video mit dem Titel >La chute< (Der Sündenfall). Er ist damit einverstanden, dass wir den aus dem Französischen übersetzten Wortlaut hier bei Hermetik Heute veröffentlichen. Dafür sind wir ihm sehr dankbar.

Der Sündenfall

>Man sagt oft, jemand sei eines natürlichen Todes gestorben. Dabei vergisst man, dass für die Philosophen der Tod ebenso wenig natürlich ist wie die Krankheit. Die Natur möchte unsterbliche Wesen  erzeugen; wenn es ihr nicht gelingt so deshalb, weil sich ein Unfall ereignet hat, der ihre Erzeugnisse früher oder später der Vergänglichkeit ausliefert.

Von welcher Art war dieser Unfall? – Wir sind uns bewusst, dass unsere Antwort auf diese Frage bei vielen Menschen Stirnrunzeln, ungläubige und gelangweilte Blicke gen Himmel und ratloses Schulterzucken verursachen wird. In der Tat hat die heutige Weltsicht den Sündenfall in die Versenkung verschwinden lassen, was die Menschheit allerdings nicht daran hindert, fortzufahren tagtäglich zugrunde zu gehen aufgrund dessen was die Urväter als >Fortschreiten< oder >Fortschritt< verstanden haben: geboren werden – heranwachsen – altern – dahinsiechen – vergehen – vermodern.

Vielleicht verletzt diese Idee des Sündenfalls unsere Zeitgenossen deshalb, weil sie am Ende mit einer sterilen Moral vermischt wurde, die keineswegs das Problem des Todes löst, oder weil sie sich auf eine unwahrscheinliche, mythologische Szene bezieht, wo eine mit einer Stimme versehene Schlange bei einem legendären Paar einen fatalen Verzehr auslöst. Oder vielleicht auch nur, weil man hofft, durch das Verdrängen dieses Ereignisses dessen Auswirkungen und Folgen ausweichen zu können. Jeder hat seine persönlichen Gründe.

Wie dem auch sei: hier zunächst eine etymologische Erklärung des Phänomens des Todes: Das Wort Tod (französisch: mort – mors) bezieht seinen Ursprung aus der Wurzel: (französisch: morsure = morsus) = Biss; dem Biss des ersten Menschen, denn indem er in die Frucht des verbotenen Baumes biss hat er sich dem Tod ausgesetzt (Isidor: Etymologie XI, 1, 14). Indem also der Mensch ein Gift aß und verschlang führte er Krankheit und Tod in sich ein. Beachten wir auch das Wortspiel, welches sich zwischen Malum-Apfel (französich: pomme) und Malum-das Schlechte (französisch: le mal) und die Krankheit (französisch: la maladie ergibt.

Auf dem berühmten Gemälde von Berthold Furtmeyr sieht man, dass auf der einen, mit einem Totenkopf vesehenen Seite des Baumes, Eva den Sündern die Frucht des Sündenfalls in den Mund steckt, während auf der anderen, mit einem Kruzifix  versehenen Seite, die Jungfrau den Getreuen die Frucht gibt, die sie heilen wird: den Körper Christi unter dem Aspekt einer Hostie. – Es ist die Kirche, die dieses Heilmittel mit dem Namen Hostie versieht.

Nun, nach der Kommunion der katholischen Heiligen Messe betet der Priester: „Was wir mit dem Mund empfangen haben, Herr, das lass uns auch mit reinem Herzen aufnehmen und aus der zeitlichen Gabe werde uns ein ewiges Heilmittel. – Dein Leib, o Herr, den ich empfangen und dein Blut, das ich getrunken habe, bleibe stets in meinem Innersten. Gib, dass in mir kein Sündenmakel zurückbleibe…“

In demselben Sinne sagt der Talmud: Ich, das Blut, ich bin der Ursprung aller Krankheit – ich, der Wein, ich bin das erste aller Heilmittel. (Baba Bathra 58b)

Baum_des_Todes_und_des_Lebens

Betrachten wir nun noch aufmerksam, was Karl von Eckartshausen im fünften Brief seiner Wolke über dem Heiligtum schreibt:

„In unserem Blut liegt eine zähe Materie – Gluten genannt – verborgen, die mit der Animalität nähere Verwandtschaft hat als mit dem Geiste. Dieses Gluten ist der Sündenstoff, die Materie der Sünde…Dieses Sünden-Ferment liegt mehr oder weniger in jedem Menschen und wird von den Eltern auf die Kinder fortgepflanzt…

Aus der Erkenntnis dieser wirklichen Sünden-Materie in uns lernen wir einsehen, dass wir moralisch kranke Menschen sind und dass wir eines Arztes bedürfen, der uns ein Heilmittel bringt, welches diesen Falschheit und Bosheit in uns bewirkenden Stoff vernichtet und uns moralisch gesund macht. – Wir lernen auch einsehen, dass all unser Moralisieren mit Worten wenig nützt, da, wo reelle Mittel notwendig sind. Man moralisiert schon seit Jahrhunderten, und diese Welt ist immer die nämliche. Der Kranke wird nicht genesen, wenn der Arzt an seinem Krankenbette bloß moralisiert.

Eine wirksame Kommunion ist also in der Lage das Blut des Menschen so zu reinigen, dass er vor den tödlichen Auswirkungen der Sünde bewahrt wird,

In der Apostelgeschichte lesen wir, bezogen auf den Heiligen Paulus:

…Als aber Paulus eine Menge Reisig zusammenraffte und auf das Feuer legte, kam infolge der Hitze eine Giftschlange heraus und hängte sich an seine Hand. Als aber die Eingeborenen das Tier an seiner Hand hängen sahen, sagten sie zueinander: Jedenfalls ist dieser Mensch ein Mörder, den Dike (bei den Giechen die Göttin der Rache), obschon er aus dem Meer gerettet ist, nicht leben lässt. Er nun  schüttelte das Tier in das Feuer ab und erlitt nichts Schlimmes. Sie aber erwarteten, dass er anschwellen und plötzlich tot hinfallen werde. Als sie aber lange warteten und sahen, dass ihm nichts Ungewöhnliches geschah, änderten sie ihre Meinung und sagten, er sei ein Gott…  (Apostelgeschichte 28,3)

Hans van Kasteel

 

Es scheint, als hätten die Apostel diese heilsame Speise erhalten; sie wirkten Wunder und waren auf wundersame Weise immun, wie die oben beschriebene Episode vom Heiligen Paulus berichtet. – Doch was ist mit uns gewöhnlichen Menschen solange uns niemand diese heilsame Speise bereitet und verabreicht?

Im Evangelium lesen wir  die Worte Jesu Christi: „Ich habe eine Speise, die ihr nicht kennt!“ (Johannes IV,32).  –   Dann ist Christus >das lebendige Brot, das vom Himmel herabgekommen ist<  und die Juden stritten untereinander und sagten: „Wie kann dieser uns sein Fleisch zu essen geben?“ – Da sprach Jesus: „Wahrlich, wahrlich ich sage euch: wenn ihr nicht das Fleisch des Sohnes des Menschen esst und sein Blut trinkt, so habt ihr kein Leben in euch selbst. – Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt hat ewiges Leben und ich werde ihn auferwecken am letzten Tag“.

Versuchen wir,  mehr zu erfahren über diese mysteriöse Speise, die den Menschen heilt. – Im bereits erwähnten fünften Brief der Wolke über dem Heiligtum von Karl von Eckartshausen schreibt er folgendes über diese Speise:

…Durch den Genuss der verweslichen Speise ist der Mensch selbst verweslich geworden… – …Es ist ihm ein Mittel zu seiner Heilung notwendig. Dieses Mittel kann der gefallene Mensch aus sich selbst weder erkennen, noch sich dessen bemächtigen, weil dieses Mittel im Innersten der Natur verschlossen liegt und er hat weder Macht, noch Kraft dieses Innerste der Natur aufzuschließen. Offenbarung dieses Mittel zu erhalten ist ihm daher notwendig…

…Melchisedek war der erste Priesterkönig. Von ihm stammen alle wahren Priester Gottes und der Natur ab, und an ihn schloß sich Christus selbst an – als Priester nach der Ordnung Melchisedeks…  Melchisedek heißt buchstäblich: der Unterrichtende in der wahren Substanz des Lebens und in der Abscheidung dieser Substanz von der verweslichen Hülle, die sie umschließt. Ein Priester ist ein Abscheider der reinen Natur von der unreinen, ein Absonderer der alles erhaltenden Substanz von der verweslichen, Schmerz und Elend verursachenden Materie…

…Ein Priester nach der Ordnung Melchisedeks ist also der, der sowohl die reine, alles erhaltende als auch die alles belebende Substanz von der unreinen abzuscheiden und diese als wahres Versöhnungs- und Wiedervereinigungsmittel für die gefallene Menschheit zu gebrauchen weiß

…Da nun der Mensch durch den Genuss einer korruptiblen, das Ferment des Todes in sich tragenden Frucht dergestalt vergiftet war, dass alles, was um ihn war, tot und verweslich wurde, so musste die göttliche Barmherzigkeit notwendig ein Gegenmittel schaffen, welches ebenfalls genossen werden konnte und welches die alles erhaltende und wiederbelebende Substanz in sich enthielt, damit durch den Genuss dieser unsterblichen Speise der vergiftete und dem Tode unterworfene Mensch wieder geheilt und aus seinem Elend errettet werden konnte…

…Diese Befähigung zum neuen Leben und die Auflösung des korrruptiblen, selbst im Zentrum der Erde sich befindenden Wesens war auf keine andere Art möglich als dadurch, dass die göttliche Lebenssubstanz sich in Fleisch und Blut einhüllte, um dann die darin verborgenen Lebenskräfte wieder auf die ertötete Natur zu übertragen.  – Dies geschah auch wirklich durch den Tod Jesu Christi. Die aus seinem vergossenen Blut ausströmende tinkturialische Kraft durchdrang das Innerste der Erde, erweckte die Toten, zerbrach die Felsen und verursachte die große Totalfinsternis der Sonne.

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…Allein, nicht die Regeneration des Weltgebäudes im allgemeinen war der Zweck der Erlösung. Der Mensch war der Hauptgegenstand seines vergossenen Blutes, und auch diesem schon in dieser materiellen Welt die höchstmögliche Vollkommenheit durch Verbesserung seines Wesens zu verschaffen, war der Zweck der unendlichen Leiden Christi

…Das Geheimnis mit Christus nicht allein geistig, sondern auch leiblich verbunden zu  werden, ist das größte der inneren  Kirche

…Die Mittel zu diesem wesentlichen Gottesbesitz sind den Augen der Weltweisen verborgen und der Einfalt und dem Kindersinn offenbar…

Karl von Eckartshausen

>Es gibt Priester auf der Erde, beauftragt, einen Kult zu zelebrieren, der nur das Abbild und der Schatten der himmlischen Dinge ist<. – Paulus (Hebräer 8, 4-5)

Sakrament

„Bleibt uns also nur, den wunderbaren, vom Himmel herabgestiegenen Herrn zu finden, der gesagt hat: „Esset, dies ist mein Fleisch, trinket, dies ist mein Blut“ . – Oder wohl von einem geheimen Priester Gottes die Kommunion dieses wundervollen Herrn zu erhalten, der vom Tode errettet“. >Orden des Melchisedek<.

DIE WIEDERGEFUNDENE BOTSCHAFT: XXXVI, 27 + 27′

PS: Die beiden letzten Gemälde stammen von Louis Cattiaux

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