Der Ritus der Heiligen Messe – ein Meisterwerk der Initiation?

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<Es ist eine große Lehre in den Sakramenten des Kristus verborgen. Wer wird sie entdecken? Wer wird sie verwirklichen? Und wer wird sie erneut anwenden?>

DIE WIEDERGEFUNDENE BOTSCHAFT

 

Von allen religiösen Offizien ist die Heilige Messe zweifelsohne die wichtigste und die tiefgehendste. Dort sind mit Liebe und mit Kunst die wesentlichsten Erkenntnisse der Meister ausgearbeitet, die nur durch Symbolik ausgedrückt werden können. Die Zeremonie der Heiligen Messe ist wie ein Akt weißer Magie oder auch wie ein vibrierender Schleier, der von den Gläubigen allein in deren Innerem gehoben werden kann.

Um zur Erkenntnis der Realität der Mysterien zu gelangen bedarf es eines Intellektes, der dem Menschen ausschließlich über „die Gabe Gottes“ – das heißt über eine reale persönliche Erfahrung –  zuteil werden kann. Zuvor kann der menschliche Verstand oder der Intellekt des Tiermenschen nur als Werkzeug dienen für eine Suche, die aus Gebet und der Lektüre heiliger und weiser Schriften besteht. Die schlummernde Mumie der Erkenntnis ruht seit dem Anbeginn in jedem Menschen, das heißt seit dem Fall Adams; sie war  in unseren Altvorderen seit Urzeiten genauso vorhanden wie im Menschen unserer Epoche.

<Die Sache selbst, die man heute christliche Religion nennt, existierte bei den Alten und hat nie aufgehört zu existieren seit dem Anfang des Menschengeschlechtes, bis man begonnen hat sie mit „christlich“ zu bezeichnen, die aber zuvor existierte. – AUGUSTINUS

Der in einer französischen Jahres Fachschrift veröffentlichte Artikel über die Symbolik der Heiligen Messe erschien uns so interessant, dass wir uns an den Autor wandten und ihn um Erlaubnis baten, diesen für unsere Leser übersetzen zu dürfen.

Die Ausführungen, die in dieser Abhandlung dargeboten werden, beziehen sich auf die Liturgie der „Alten Messe“, deren große Leitlinien im Trienter Konzil (1545 – 1563) definiert worden waren und die in der so genannten Messe des Heiligen Pius X. (1835 – 1914) zu uns gelangt sind.

Nun hat die Kirche seit dem 7. Juli 2007 aufgrund des Motu Proprio „Summorum Pontificium“ von Papst Benedikt XVI. den Gläubigen den Zugang zur überlieferten Liturgie wieder ermöglicht, nachdem bereits 1988 Papst Johannes Paul II. in seinem Apostolischen Schreiben „Ecclesia Dei“ alle Bischöfe eindringlich aufgerufen hatte, den Gläubigen „weitherzig und großzügig“ den Zugang zur überlieferten Liturgie zu ermöglichen.

Dem Autor des nachstehenden Artikels – Herrn Claude Van Gallebaert – danken wir ganz herzlich für sein großzügiges Einverständnis.

Die christliche Tradition

Claude Van Gallebaert

…Es ist evident, dass die Symbole, welche die Riten beleben, für das liturgische Leben von essentieller Bedeutung sind. Diese Symbole haben einen unersetzbaren Charakter, denn sie drücken die Realität aus, die nicht auf andere Weise übermittelt werden kann.

Wir werden hier nicht von der Messe nach dem II. Vatikanischen Konzil (1962 – 1965) sprechen, die leider nur noch ein blasser psycho-sozialer Schatten der ursprünglichen göttlichen Liturgie ist. Ich schlage Ihnen vor, dass wir nun gemeinsam die großen Aspekte der Riten dieser Messe studieren, der Messe, die selbst unerlässlicher Bestandteil vom Ritus der christlichen Initiation ist .

Die christliche Initiation

Es existiert in der Tat eine christliche Initiation, was immer einige darüber denken mögen. Die Natur und die Tragweite der Transformation, die von der christlichen Initiation anvisiert wird, ist die Wiedereingliederung in den göttlichen Plan, die Auferstehung, das Erwachen, die Vergöttlichung, die Rückkehr zur Einheit, gemäß dem Worte Christi:

„…damit sie alle eins seien, wie du, Vater, in mir und ich in dir, dass auch sie in uns eins seien, damit die Welt glaube, dass du mich gesandt hast…“

Der heilige Augustinus bestätigt es uns, indem er sagt: „Christus inkarnierte, damit der Mensch vergöttlicht werde“. Verwandlung findet statt, und zwar gleichzeitig die eines materiellen Dinges als auch die des Menschen, der das Werk vollzieht. Die christliche Initiation besteht aus drei Etappen: Taufe, Firmung (oder Konfirmation) und Eucharistie. Man findet dort Symbole wieder, die alle Initiationen gemeinsam haben. 

Die Elemente

Wir beginnen mit den vier Elementen: 

Die Erde ist der Träger. Sie wird im Wesentlichen vom Stein des Altares symbolisiert. Seit der frühesten Antike zelebrieren Hierophanten (Hohepriester, Eingeweihte) auf Stein-Altären. Dieses Element findet man sowohl bei der Feier des ägyptischen, als auch des druidischen, buddhistischen oder aztekischen Kultes.

Das Feuer ist das reinigende Element. Es dient zum Anzünden der Kerzen und zum Verbrennen des Weihrauchs. Man bedient sich dabei des neuen Feuers, mit dem am Karsamstag die Osterkerze angezündet wurde. Diesem Feuer kamen die besten astralen Einflüsse zugute, denn das Osterfest wurde von Anfang an auf den  ersten Sonntag nach dem Vollmond, welcher auf die Frühlings-Tag- und Nachtgleiche folgt, gelegt. Erwähnenswert ist auch, dass das Wachs der Kerzen auch das Herz der Getreuen symbolisiert, wie im Introitus der Messe des 4. Juni: „…wie Wachs ist mein Herz geworden, zerschmolzen in meinem Inneren…“. 

Das Wasser hat einen doppelten Symbolismus: während der Messe dient es zum Reinigen (Psalm 26-der Waschung der Hände), jedoch, vermischt mit dem Wein des Abendmahlskelches symbolisiert es unsere menschliche Natur, die teilnimmt an der Gottheit.

Die Luft ist das Vehikel (Beförderungsmedium) des Weihrauchs. Auch ist sie das Vehikel des Wortes und des Lautes, also des Gebetes. Genauso ist sie auch das Vehikel der aufsteigenden und absteigenden Strömungen, die erlauben müssen „den Himmel und die Erde zu vereinen“.

Die drei Reiche

Die Messe ist eine Synthese der drei Reiche oder der drei Grade der körperlichen Existenz: des mineralischen, des vegetarischen und des animalischen. Zweifellos hat die Kirche sich vorrangig der Kathedrale bedient, um die drei Reiche der Religion generell und die des Mysteriums der Eucharistie speziell auszudrücken.

Das mineralische Reich: Vor allen Dingen ist es der Stein, der das mineralische Reich in der Kathedrale repräsentiert: mal denteliert, mal durch beeindruckende Strukturen, die das ganze Gewölbe tragen, seine volle Kraft ausdrückend. Der Stein wird zum Bildnis Christi, wie in Psalm 118 gesagt wird:

<Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, ist zum Eckstein geworden. Vom HERRN ist dies geschehen, es ist ein Wunder vor unseren Augen>.

Der Stein ist aber auch das Bildnis des Gläubigen: unbehauener Stein nach dem Sündenfall, der sich veredelt, indem er zum behauenen Stein wird um sich in das Gebäude einzufügen und um zum lebendigen Stein zu werden, der an der Erbauung des Tempels teilnimmt; des Tempels, der zur Glorie Gottes errichtet wurde. Am Ende wird er zum kostbaren Stein, gemäß dem in der Epistel 2, 4-9 des Heiligen Petrus beschriebenen Kodex:

<Zu ihm kommend als zu einem lebendigen Stein, von Menschen zwar verworfen, bei Gott aber auserwählt, kostbar, lasst euch selbst als lebendige Steine aufbauen, als ein geistliches Haus, ein heiliges Priestertum, um geistliche Schlachtopfer darzubringen, Gott wohl annehmbar durch Jesus Christus. Denn es ist in der Schrift enthalten: „Siehe, ich lege in Zion einen auserwählten kostbaren Eckstein und wer an ihn glaubt, wird nicht zu Schanden werden“. Euch nun, die ihr glaubt (bedeutet er) die Kostbarkeit; für die Ungläubigen aber (gilt): „Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, dieser ist zum Eckstein geworden, und ein Stein des Anstoßes und ein Fels des Ärgernisses“. Da sie nicht gehorsam sind, stoßen sie sich an dem Wort, wozu sie auch bestimmt worden sind>.

Christus ist der lebendige und kostbare Stein, der uns aus der Finsternis ans Licht berufen hat und der uns einlädt unsere irdische Pilgerfahrt – das heißt unsere Verkörperung zu nutzen, um –  ihn imitierend –  zu lebendigen Steinen zu werden, die dazu dienen, ein spirituelles Haus zu erbauen. Die Epistel 2,20-22 an die Epheser müsste uns vollends überzeugen:

<Ihr seid aufgebaut auf der Grundlage der Apostel und Propheten, wobei Christus-Jesus selbst der Eckstein ist. In ihm zusammengefügt wächst der ganze Bau zu einem heiligen Tempel im Herrn, und in ihm werdet auch ihr mit aufgebaut zu einer Behausung Gottes im Geist>.

Das vegetarische Reich wird von Brot, Wein und Weihrauch repräsentiert. Auch findet man es wieder in Balken, Trägern und aller Art aus Holz bestehender Architektur sowie in den verschiedenen Holz-Sorten, aus denen die in der Kathedrale befindlichen Möbel bestehen. Vergessen wir auch die zahlreichen Chorstühle, Bänke, Heiligen-Statuen und alle aus Holz gefertigten Dekorationen nicht. Des Weiteren findet man das vegetarische Reich auch noch in den für den Altar gespendeten Blumen oder Buchsbaum-Zweigen am Palmsonntag, usw.

Das animalische Reich darf auf keinen Fall unterschätzt werden; davon könnte man stundenlang reden. Doch ich beschränke mich darauf, an das großartige Werk von Charbonneau-Lassay: „Das Bestiarium Christi“ zu erinnern, welches hunderte realer und symbolischer Tiere enthält und nicht weniger als 1157 in Holz geschnitzter Tierfiguren. Damit ist genug gesagt, was die Wichtigkeit der Tiere in der christlichen Symbolik betrifft.

Resümee: 

Die Schriften weisen dem Menschen die Aufgabe zu, alle Reiche und alle Elemente zusammen zu tragen, um sie dem Schöpfer darzubringen. Alle Elemente vereint werden als Träger für die Realisierung eines kosmischen Mysteriums dienen: die Opferung und die Wiedereingliederung in Gott von allem Geschaffenen durch Christus. Denn es handelt sich wohl darum, dem wahren König der Welt das IHM Zustehende zurückzugeben. Mehr noch: dieses Mysterium wird den Menschen mit der Gottheit und dem Königtum vereinen. Ist es also nicht mehr als recht, diesen Vorgang die Königliche Kunst zu benennen? Übrigens präzisiert der Priester genauestens den Teil, der vom Menschen genommen wurde, und zwar in dem Moment, wo er Wein in den Abendmahlskelch gießt und ihn mit ein wenig Wasser vermischt, während er sagt:

<Gewähre uns gemäß dem Mysterium dieses Wassers und dieses Weines die Teilhabe an der Gottheit, Dessen, der sich herabgelassen hat unsere Menschen-Natur anzunehmen>.

Nachdem wir die Elemente und die drei Reiche zusammengefasst haben begeben wir uns jetzt in einen aufsteigenden Ablauf (der Zeremonie), der ebenfalls seine Wichtigkeit hat. Anfangs teilte sich die Heilige Messe auf in zwei Hauptteile mit aufschlussreichen Bedeutungen:

– Vor-Messe oder Messe der Katechumenen (Tauf-Bewerber)

        – Opfer-Messe oder Messe der Getreuen

Die Messe der Katechumenen

Die <Vor-Messe> ist das Ritual, welches für diejenigen bestimmt istdie noch nicht durch die Taufe initiiert wurden. – Nach der Besprengung oder ersten Reinigung durch das Wasser geht der Priester auf den Altar zu und bleibt zunächst unten vor den drei Stufen stehen um die Stufengebete zu rezitieren. Er beginnt mit dem Kreuzzeichen, während er die Heilige Dreifaltigkeit anruft:

<In Nomine Patris, et Filie, et Spiritus Sancti>

Diese kurze Formel drückt die gesamte Manifestation und das gesamte Werden aus:

– des Vaters, von dem alles ausströmt

–  des Sohnes, der die sichtbare Manifestation des Vaters ist

– des Heiligen Geistes, der den Adepten leitet

Diese Formel wurde bereits in der Invokation  der alten Ägypter formuliert:

<- Amon – Rá – Ptah – Drei in Einem>

wie R. A. Schwaller de Lubicz erklärt in <Le Temple de l’Homme> (Der Tempel des Menschen)

Danach wird der Zelebrant drei mal – abwechselnd mit dem Akoluthen (helfenden Begleiter) – den Satz:

– <Introibo ad altare Dei> (Ich werde hinaufgehen zum Altare Gottes)

aussprechen. Diese drei <Introibo> sind die Erinnerung an die drei Initiationsreisen der alten Mysterien. Hierüber findet man eine Beschreibung bei Plutarch: <Oeuvres morales>  (Moralische Werke), Teil 6 und  <Visage de la Lune> (Gesicht des Mondes) § 27 und 28.

Das <Júdica me> (Psalm 43) ist das Gebet, welches die Israeliten sangen, während sie den Tempelberg hinauf stiegen. Hier singt sie nun der Christ, bevor er den Berg des Abendmahlssaales besteigt, der auch der  Berg Zion, Golgatha (Kalvarienberg) oder Opferberg ist. Gleichfalls ist er auch die Pyramide, so wie er symbolisch auch die Welten-Achse darstellt.

Es folgt das <Confiteor> oder das öffentliche Bekenntnis, gefolgt von der Absolution (Lossprechung von den Sünden). Nachdem die Reinigung von den Sünden erfolgt ist, zeigt der Priester symbolisch die <Passage> der drei Reisen an, indem er die drei Stufen des Altares emporsteigt, womit er gleichzeitig an die drei Etappen erinnert, durch die der Initiierte zum Meister der drei Reiche wird: des mineralischen, des vegetarischen und des animalischen. Des Weiteren erinnert er damit auch noch an die konstitutive Dreiheit des Menschen: Körper, Seele und Geist.

 

Der Aufstieg zum Altar

Das ist der Aufstieg zum Berg Zion, wo dem Lamm Gottes entgegen gegangen wird, welches sich seit dem Anbeginn der Welt darbietet und auf diesem Berg wird der Priester das Opfer erneuern, welches die Welt rettet. Oben auf den Stufen angekommen sagt der Priester:

<Herr, wir bitten Dich: nimm hinweg unsere Sünden, damit wir mit reiner Seele ins Allerheiligste eingehen können>

Es folgt die Segnung des Weihrauchs und die Be-Räucherung des Altars einschließlich dessen Abseiten und des Bodens. Dies ist die dritte Reinigung, die vom Ort  der Opferung alle schlechten Einflüsse vertreiben soll. – Das verweist auf die dreier Einteilung der altchristlichen und byzantinischen Basiliken und  Kathedralen) in Narthex (schmale Binnen-Vorhalle), Kirchenschiff und Chor, die uns beweist, dass – wenigstens in den ersten Zeiten – eine materielle Abschirmung existierte. Davon gibt es noch ein schönes Beispiel: Notre Dame de Walcourt, in der Nähe von Charleroi, wo eine schwarze Jungfrau verehrt wird.

Diese Unterteilung ist gleichfalls eine Erinnerung an die drei Etappen der Erkenntnis und an das Allerheiligste des ägyptischen Tempels, in den nur der Pharao – gleichzeitig oberster Hoherpriester – das Recht hatte einzudringen. Später findet man die Wiederholung desselben Allerheiligsten bei den Hebräern beim Bau des Tempels von Jerusalem, seitens des Königs Salomon, unter der Leitung von dessen genialem Architekten Hiram.

K y r i e

So kommen wir jetzt zum <Kyrie>, dessen Struktur oft stutzig gemacht hat. Das Kyrie ist eine Gliederungs- bzw. eine aus drei mal drei Einheiten bestehende Verknüpfungs-Litanei, welche die sakrale Enneade (Neun-heit) -auf die man im alten Ägypten überall immer wieder stößt – zur Entfaltung bringt. Die Priester von Heliopolis lehrten, dass aus Ra-Atoum acht Prinzipien geboren wurden: Chou und Tefnout, Geb und Nout, Osiris und Isis, Set und Nephtys.

Die Einheit, welche die Ogdoade (Acht-heit) gebiert, wird in christlicher Ausdrucksweise:

– (zum) Vater-Eins (Kyrie=Herr), aus dem hervorgeht:

-der Sohn-Ogdoade (Christe=Christus-Jesus, der Sohn)

–  Rückkehr zum Vater (Kyrie)

Kyrie = 3 + Christe = 3 + Kyrie 3 = 9

In der christlichen Symbolik ist Christus die Oktoade. Die Zahl 8 ist ihm zugeordnet, denn sie symbolisiert sowohl die Auferstehung Christi als auch das Versprechen der Auferstehung des durch die Gnade transfigurierten (verklärten) Menschen. – Gemäß Oswald Wirth entspricht die Zahl 8 dem babylonischen Emblem der Sonne, deren Strahlen sich in doppelter Kreuzform verteilen. Dieser Symbolismus ist über die Semiten vom entstehenden Christentum wieder aufgegriffen worden: das Doppelkreuz symbolisiert den erlösenden und rettenden Christus – Nachfolger des <Sol invictus> der Altväter.

Gemäß der mystischen Zahlenlehre ergibt der griechische Name  I E S O U S :

I     iota             10

E     éta                8

S     sigma       200

O     omicron     70

U     upsilon      400

S     sigma          200

                             888

Die dreifache Dreiheit des Kyrie, die merkwürdigerweise auf griechisch inmitten einer lateinischen Liturgie erhalten blieb, ist ein Ritus, der das <Gloria> einleitet. Letzteres ist eine zur Ehre der Dreifaltigkeit gesungene Hymne, der Dreifaltigkeit, deren drei Personen benannt und gepriesen werden, genau wie der dreifache Aspekt <AMON – RÁ – PTAH, Drei in Einem> bei  den Ägyptern gesungen und gelobt wurde.

Dieser Teil der Messe wird als <Wortgottesdienst> betitelt und er ist das wunderschöne Beispiel eines Dialoges zwischen dem Menschen und Gott. Im Anschluss an die an Gott gerichteten Lobgesänge (Gloria) und Fürsprachen kommt den Gläubigen die Antwort Gottes zu über die Lektüre der Bibel, der Episteln  und der Evangelien.

Die drei Kreuzzeichen, die man vor der Anhörung des Evangeliums auf Stirn, Mund und Brust zeichnet, werden auf die drei subtilen Körperzentren platziert , die auf das spirituelle Erwachen hinlenken und die man im Orient als Chakren bezeichnet. In allen Kulten ist die Übermittlung der Geschichte Gottes die orale Vermittlung eines Geheimnisses – des Heils-Geheimnisses – und zu allen Zeiten wurde diese Übermittlung ins Ohr geflüstert. Das Wort – das Verb – wodurch die Welt erschaffen wurde, ruft die Gläubigen auf, das zu tun und zu werden, was das Wort verkündet und die Getreuen verdingen sich ihrerseits durch das Opfer der Messe, die daraus besteht den Kultus des mystischen Körpers zu zelebrieren.

Die Opfermesse der Getreuen

Der Hauptteil der Messe, die Opfermesse, ist die Fortsetzung von einem der ältesten Riten der Menschheit. Der Gottheit wird ein materieller Träger dargebracht.

Die Substitution der Opfergaben durch Brot und Wein soll auf Melchisedek zurückgehen – den König von Salem und Priester des Allerhöchsten – , wie uns die Bibel sagt (Genesis 14, 18-19).

Auch im Alten Ägypten gab es bezüglich dieser Rituale zwei klar zu unterscheidende Momente: die Niederlegung der Opfergaben auf dem Altar (wah), danach deren Erhebung (fay).

Erneut findet eine Beräucherung statt zwecks Reinigung. Dank des aus der Sonne hervorgegangenen Feuers verwandelt sich das irdische Element (das Harz) in himmlisches Element (in Rauch/Dunst) und kehrt  zu seiner himmlischen Quelle zurück. So stellt es symbolisch ein Werk des himmlischen Feuers dar. Die Invokationen, welche die Handlungen unterstützen, bestätigen dies:

<Möge dieser von Dir, Herr, gesegnete Weihrauch zu Dir aufsteigen und Deine Barmherzigkeit zu uns herabkommen…>

Der Rauch des Weihrauchs zieht das Gebet mit sich hinauf bis zum Himmel und bringt Segnungen zur Erde zurück:

<Herr, lass mein Gebet wie Weihrauch vor Dein Antlitz dringen>.

<Der Herr entzünde in uns die Glut Seiner Liebe und die Flamme ewiger Barmherzigkeit>.

In der Antike wurde der Weihrauch als ein Emblem der Gottheit angesehen: erstens aufgrund seiner solaren Charakteristik und zweitens wegen seines Parfüms, welches zu Gottes Wohlgefallen zu ihm aufsteigt. Generell gehören alle Harze dem Sonnenkult an, während Blumen mit dem Mond im Zusammenhang stehen, für den in der christlichen Religion Maria als das befruchtete, weibliche Prinzip steht.

Nun folgt der Moment wo der Priester Wein in den Kelch gießt, um ihn Gott darzubieten.  – Nebenbei  bemerkt: Die Form des Kelches symbolisiert das Herz.

Nachdem der Priester ein wenig Wasser in den Kelch gegossen hat, um es mit dem bereits vorhandenen Wein, der das Blut Christi repräsentiert, zu vermischen (in der Tat ist ja auch Blut und Wasser aus der Seiten-Wunde geflossen, die der Zenturio dem Gekreuzigten mit dem Lanzenstich zugefügt hatte) ruft der Priester den Heiligen Geist an, damit er auf die Gaben herabkomme. Die Dreiheit – Blut-Wasser-Geist – lässt selbstverständlich an die alchymistische Dreiheit – Schwefel-Merkur-Salz – denken. Merkur wird zu einem feurigen Wasser unter dem Einfluss des Schwefels, welcher dem Blut entspricht, das heißt dem vom Geist verwandelten Wein. Das Wasser, welches der – die Natur reinigenden – Gnade entspricht und das Blut, welches das Zeichen der Sühne und der Wiederbelebung ist, kann man in Zusammenhang bringen mit der doppelten Wiederherstellung (Regeneration), deren Notwendigkeit Christus dem Nikodemus bestätigt:

<Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Wenn jemand nicht aus Wasser und Geist geboren wird, kann er nicht in das Reich Gottes hineingehen> (Römer 6, 6)

Auch könnte man sagen, dass der Getreue mit Christus stirbt während er an den eucharistischen Mysterien teilnimmt. In der Tat sagt der Heilige Paulus:

<Der alte Mensch ist mit Christus gestorben> (Johannes 3, 5)

Hier muss man auf die Anrufung des Heiligen Geistes – des Feuergeistes  – aufmerksam machen: dies ist in der Tat die christliche Version des himmlischen Feuers, welches gemäß dem Alten Gesetz auf die Opfergabe herab fällt; es ist die Erinnerung an das Opfer des Elias:

<„Herr, erhöre mich!“ – Da fiel Feuer vom Herrn herab und verzehrte das Brandopfer> (2. Chronik 7, 1-2 und I. Könige 18, 38)

Auf dem Stein des Altares wird jetzt Brot und Wein in Fleisch und Blut Christi verwandelt und diese Zeremonie wird abgeschlossen mit den Worten:

<Nehmet hin und esset alle davon, denn dies ist  mein Leib…Nehmet und trinket alle daraus, denn dies ist der Kelch Meines Blutes des neuen und ewigen Bundes…>

Was den vorangegangenen Ritus betrifft so werden Sie den aufsteigenden Aspekt bei den Bewegungen des Körpers und des Geistes bemerkt haben. Die Achse des Körpers ist vertikal, ausgehend von der knienden Position, dann, sich aufrichtend beim Hochsteigen zum Altar, und den höchsten Punkt erreichend, als der Priester Brot und Wein oberhalb seines Hauptes mit zum Himmel erhobenen Händen präsentiert. Der Priester erhebt die Heiligen Gestalten und bittet den Herrn sie zu übernehmen, um sie zum himmlischen Altar empor zu tragen. Diese vertikale Achse weist auf den Sinn der <Exaltation> hin, das heißt auf den Aufstieg zu den höheren Ebenen des Wesens.

Dasselbe gilt für die sakrale Architektur. Die Form selbst der Architektur der Kathedrale oder der Basilika ist so ausgeführt, dass die Energien gesammelt werden, um so über den Kreuzungspunkt des Mittelschiffes und des Querschiffes – über das Auge des Domes oder den Gewölbe-Schlüssel – zum Himmel empor gehoben zu werden, damit sie sich anschließend in Form eines herabfließenden Segens durch die Kuppel des Domes hindurch ausbreiten.

Hier finden wir gleichermaßen die gesamte Symbolik des Quadrates, der Oktogone und des Kreises oder der Sphäre. Die Gebete steigen auf aus dem Quadrat ( das heißt von der Erde), sie passieren Christus (die Oktogone) und sie steigen zum Himmel (zur Sphäre) hinauf, von wo sie in Form einer Segnung (einer Benedeiung) wieder herabkommen, verstärkt durch den Dom, der die göttliche Welt symbolisiert.

Im Moment der Konsekration stellt der Abendmahlskelch gleichzeitig den Heiligen Gral und das hermetische Gefäß des wahren Philosophen dar.

Nach der Mortifikation und den Stufengebeten geschah also die Opferung des Brotes und des Weines und gleichzeitig mit diesen Gaben die Aufopferung der Getreuen; nun folgt die Wandlung und der Vollzug durch die Kommunion mit Christus. Doch was bedeutet diese Wandlung? Inwiefern ist der Getreue anders nach der Messe? – Jean Hani gibt in seinem Werk: <La Divine Liturgie> (die göttliche Liturgie) auf diese Frage folgende Antwort:

<Im Grunde ist das Opfer die Aufopferung des Ichs und das Hervorkommen des ES. Das Ich ist die empirische äußere Individualität des Menschen. Das ES ist eine Realität weitaus höherer Natur; das ES ist die Basis selbst der Person im stärksten Sinne; es ist die transzendente Persönlichkeit, die völlig spirituell ist. Es ist der Gott im Menschen. Das Opfer ist die Hingabe des Ichs. Aufgeopfert werden die beschränkenden Elemente der Persönlichkeit und gleichzeitig wird das ES befreit. „Der Christ“ sagt der Heilige Paulus „hat den alten Menschen (das heißt das Ich) gekreuzigt“ und so ist er als der neue Mensch auferstanden im glorreichen Körper, das heißt im ES . Der Aufzuopfernde wird geopfert (was sein Ich betrifft), er wird sublimiert (geläutert) und am Ende von der göttlichen Kraft ergriffen werden, um dem Herrn einverleibt zu werden, wo sein ES das Erblühen oder die Entfaltung findet. Dies ist die persönliche Realisierung, die den Heiligen Paulus sagen ließ:

„Nicht ich bin es, der lebt, sondern Christus ist es, der in mir lebt“>

Wie ist das möglich? Handelt es sich hierbei nicht nur um eine symbolische Versinnbildlichung der Sache ist, das heißt: um die einfache Nachbildung eines vergangenen historischen Aktes? Oder soll man hier spüren, dass die Konsekration durch den Priester die sichtbare Manifestierung eines ewigen Aktes ist, eines Aktes, der den Schleier der Bedingungen von Zeit und Raum – welcher den Geist des Menschen von der Kontemplation der Realitäten der Ewigkeit trennt – herunterreißt?

Wie Platon sagt: „…die Zeit ist das sich ständig bewegende Bildnis der Ewigkeit“. Dies ist auch der Sinn von dem Ausspruch des Heiligen Johannes aus der Apokalypse: „Das von Grundlegung der Welt an geschlachtete Lamm“.

Beim Schluss-Segen, der den Gläubigen erteilt wird bevor sie entlassen werden, wird der Lebensstrom aktiviert und gesund gemacht und so wird der Kreislauf der Energie, die zwischen Himmel und Erde pulsiert, wieder hergestellt: Die Vereinigung von Himmel und Erde ist wieder erfolgt, <das was oben ist, ist wie das was unten ist>.

Schlussworte:

Betrachtet man die gründliche Sorgfalt und die ausgefeilte Präzision mit denen dieser Ritus aufgebaut und eingesetzt wurde, dann kann man nur bedauern, dass die Kirche nach Vatikan II entschieden hat, ihn zu einem blassen Schatten der Zeremonien von Einst zu reduzieren, wo viele der symbolischen Gesten voller tiefgehender Bedeutungen durch Kommentare psycho-sozialer Art gemäß dem Klischee gewisser weltlicher Aktivitäten unserer Epoche ersetzt wurden.

Dies ist der ganze Unterschied zwischen dem Unterhalten einer Gewohnheit und dem Besitz des initiatorischen Weges. – Dies ist der ganze Unterschied zwischen dem sich zufrieden geben mit einem sentimentalen und moralisierenden Idealismus und der Suche nach einem effektiven und realen Kontakt mit der Gottheit.

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Die nachstehenden Verse aus dem Werk <DIE WIEDERGEFUNDENE BOTSCHAFT> sind ausgewählt worden um Anregungen zum Meditieren über die obigen Ausführungen zu geben:

<Die Moral ist eine Barriere und die Askese ist ein Geländer. Das Gesetz ist ein Deich und die Riten sind ein Führer. Die Sakramente sind ein Memento, die Symbole sind sprechende Abbilder und die heiligen Bücher zeigen den Weg, aber die Wissenschaft Gottes anulliert alles, weil sie alles übertrifft.> – <Jedoch, wer wäre so ignorant, die Stufen zu verachten, die uns zum Tabernakel des Herrn des Lebens führen.> –  DIE W. B. XV, 21 – 21′ 

<Die äußeren Praktiken könnten nicht für sich allein den Menschen bis zu Gott erheben, aber sie hindern ihn bis zum Tier herabzusinken> – DIE W. B. VI, 8

<Die sublimsten Religionen lassen den Menschen zwischen Leben und Tod, weil niemand sie zu durchdringen und zu erfahren sucht.> – DIE W. B. VI, 9

<Diejenigen, die durch Gott unterwiesen werden, erkennen die Religionen und die Initiationen der Menschen, denn sie sind es, die sie einrichten, wenn sie fehlen und die sie wieder aufrichten, wenn sie abweichen.> – <Wenn wir nicht den Geist Gottes in uns anziehen, werden wir hier unten wie erbärmliche Tiere bleiben, beschränkt auf ihre äußeren Sinne und stupide vor der lebendigen Schöpfung des Einzigen.> – DIE W. B.  XVI, 6 – 6′

<Viele Gläubige rezitieren uns ihre schöne Lektion über das Blut Christi, das vom Tode errettet, aber wissen sie von wem sie sprechen und worum es sich wirklich handelt? Mögen sie zuerst den Herrn suchen und wenn sie ihn gefunden haben werden sie handeln, anstatt vergebens zu disputieren>.

<Täten sie nicht besser daran, das Blut dieses Königs des Himmels zu suchen und zu leben, anstatt beim Habitus der Wahrheit stehen zu bleiben und im Tode zu verkommen? – „Die Formel des Wassers predigen heißt nicht, denen zu trinken geben, die Durst haben“>. DIE WIEDERGEFUNDENE BOTSCHAFT  XXV, 38 – 38′

<Es ist besser, nichts zu kennen als etwas halb zu kennen und dort starrsinnig fixiert zu bleiben, indem man sich in allem für unterwiesen hält. Wie perfekt es auch sein mag, das Bild einer Blume hat keinen Duft und das eines Brotes sättigt nicht>. – DIE WIEDERGEFUNDENE BOTSCHAFT  XXVII, 25′

<Viele zweifeln gegenwärtig an ihrer Religion und jeder begibt sich auf seine Weise da hinaus, wie man ein Haus verlässt, das einzustürzen droht.> – <Wer ist der Intelligente, der sich bis zu den Wurzeln seines Glaubens versenken wird, um in der Offenbarung Gottes befestigt zu werden?> – DIE WIEDERGEFUNDENE BOTSCHAFT  XXXIII, 36 – 36′

<Wir möchten bei den Gläubigen kein Ärgernis erregen, indem wir über die Bildnisse, die Personen und die Riten hinausgehen, die das Mysterium der Regeneration der verirrten Menschheit und der verirrten Schöpfung verbergen>. – DIE W. B. XXV, 52′

<Die Dekadenz der Religionen und der Initiationen kommt daher, dass die Hüter, die Gläubigen und die Suchenden die Symbole, die Figuren und die Riten für das Mysterium selbst halten, während sie nur die Abbilder davon sind und nur die Erinnerungen daran>. – DIE WIEDERGEFUNDENE BOTSCHAFT  XXIV, 43

<Die Religion und die Initiation überliefern eine kostbare Lehre. Es ist uns vorbehalten, sie durch unseren Glauben aufzuwecken, sie durch unsere Liebe zu beseelen und sie durch unsere Erkenntnis zu manifestieren…> – DIE W. B. XIX, 5

<Weder Gläubige, noch Atheisten vermuten die Wissenschaft Gottes, verborgen hinter den Symbolen, den Schriften und den Figuren der geoffenbarten Religionen…> – DIE W. B. XXVI,33

<Das Königreich Gottes ist weder eine Abstraktion, noch ein Abbild, noch ein vages Ideal. Es ist die allein lebendige und tastbare Realität, die vom Tode errettet, von jetzt an, hier unten. – Werden wir endlich begreifen? – DIE WIEDERGEFUNDENE BOTSCHAFT  XXIV, 43′

<Gegenwärtig schreien wir das von den Dächern, was sich einst ins Ohr geflüstert wurde, denn alle Vorsicht ist unnütz geworden. Ist nicht die Ignoranz der Menschen bei dem, was die heiligen und weisen Dinge betrifft, auf ihrem Höhepunkt angekommen?> -DIE W. B .XXV,36

<Jeder praktiziere die Religion seiner Väter oder die seiner Wahl und jeder dringe in seinen partikulären Glauben ein, bevor er ihn dem der anderen gegenüberstellt.>- DIE W. B. XXXV, 4

<Die Zeit naht, und sie ist schon da, in der die Gläubigen sich erneut mit den Dingen Gottes beschäftigen werden und in der sie die Dinge der Welt den Gottlosen überlassen werden. – DIE WIEDERGEFUNDENE BOTSCHAFT  XXI, 62

Um diese Welt zu verbessern haben wir die Politiker, die Syndikate, die Soziologen; doch die Verbesserung dieser Welt ist nicht die Angelegenheit der Menschen Gottes, jene sind hier, um zu uns von der anderen Welt zu sprechen“.EMMANUEL D’HOOGHVORST 

 

 

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2 Gedanken zu “Der Ritus der Heiligen Messe – ein Meisterwerk der Initiation?

  1. Ein sehr interessanter Artikel! Es ist in der Tat wichtig, dass die heutigen Menschen sich dessen bewusst werden, dass die Rituale ehemals von weisen Kennern eines wohlbehüteten Geheimnisses ausgearbeitet wurden und dass diese nicht „zufälligerweise“ oder „persönliche Ideen verfolgend“ gestaltet worden sind. Das bedeutet auch, dass nur diejenigen, die p h y s i s c h die Erfahrung der Realität gemacht haben, welche sie danach in Andeutungen ausdrücken, diese Riten antasten oder reformieren dürfen. Eine noch so gute, jedoch unkundige, Absicht genügt hier nicht.

    Ein Beispiel: Während den nach dem Konzil Vatikan II eingeführten Reformen wollte man einen Brauch abschaffen, der den neuen egalitären Vorstellungen widerspricht weil er ein Zeichen der Unterwerfung unter ein altes, zu hierarchisches Regime schien; nämlich: anläßlich der Lektüre der Heiligen Schrift kniete der Träger des Buches vor dem zelebrierenden Priester nieder. Das offene Buch hielt er über seinen Kopf, indem er so dem Offizianten als Chorpult diente, während dieser mit lauter Stimme die Lesung vortrug.

    Nun , dieses Ritual beinhaltete keinesfalls die sozial demütigende Absicht, die man ihm zuschrieb, sondern die tiefgehende Bedeutung war die folgende: Liest man wahrhaft die Heilige Schrift, so liest man „IM MENSCHEN wie in einem offenen Buch“. Um dies jedoch tun zu können, muss dieser Mensch in seinem unteren Teil gereinigt worden sein. – Sehen Sie, weshalb er kniet?, (dasselbe gilt bei den Moslems bezüglich des Ausziehens der Schuhe). – Dieser Akt weist nicht etwa auf die Unterwerfung unter einen hierarchisch Höherstehenden hin, sondern auf die Abtrennung von dem, was unten ist

    Dies zeigt ganz klar, dass diejenigen, die dieses Ritual reformiert haben, jede Ahnung von dessen tieferem Sinn verloren hatten.

    Wir könnten eine Menge weiterer Beispiele dieser Art anführen, aber eines genügt, denn der Artikel von Herrn Van Gallebaert spricht ausreichend aus sich selbst heraus und geht genau in diese Richtung.

    Jedoch stellt sich nun eine andere Frage: Hätte ein intakt gehaltener oder perfekt restaurierter Ritus aus sich selbst heraus eine Wirksamkeit, die ein deformierter verloren hat? – Die Antwort darauf ist gewiss delikat, denn sie hat Europa und ganz besonders Deutschland zerrissen und schwer verwundet. – Was würde Louis Cattiaux dazu sagen?:“…das Bild eines Brotes sättigt nicht und das einer Blume hat keinen Duft“.

    Selbst wenn die Fotografie einer Vielgeliebten wichtig ist um sich an sie zu erinnern wenn sie abwesend ist, so ersetzt sie keineswegs ihre reale Anwesenheit…, die das Einzige ist, was zählt. Sich in eine Fotografie zu verlieben könnte für die Liebe gefährlich sein, aber ein Bildnis zerstören oder verunstalten bringt einen Abwesenden auch nicht zurück.

    Prof. Stéphane Feye

  2. Vom ersten Abschnitt seines interessanten Artikels an bestätigt Herr Van Gallebeart zu Recht dass „die Messe selbst unerlässlicher Bestandteil vom Ritus der christlichen Initiation ist“, und ich verstehe die Reaktion von Herrn Feye, der fragt: „Hätte ein intakt gehaltener oder perfekt restaurierter Ritus aus sich selbst heraus eine Wirksamkeit, die ein deformierter verloren hat?“… Was würde Louis Cattiaux dazu sagen? – Laut Cattiaux haben die geschlossenen Gesellschaften die Charakteristik, dass sie Profane aufnehmen, die sich oft einbilden – allein wegen der Tatsache zugelassen worden zu sein – wahrhaft Initiierte zu sein. Auch wenn die Kirchen keine geschlossenen Gesellschaften sind (oder nicht mehr sind) gibt diese Bemerkung Anlaß sich über die genaue Natur der traditionellen Heiligen Messe Gedanken zu machen.

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